Böser Unfall auf der Otto-Brenner-Straße

Da habe ich doch erst vor kurzem darüber berichtet, wie wichtig es ist, dass möglichst viele Leute wissen, was in einem Notfall zu tun ist, und heute wurde wieder einmal ein tragischer Beweis dafür geliefert.

Als ich heute morgen frohen Mutes und noch beschwingt vom Kirchentag auf dem Fußweg nach Hause war, ging ich gerade die letzten Meter meines Weges auf der Otto-Brenner-Straße entlang, als ich plötzlich quietschende Reifen von vorne hörte. Sie kamen – wie hier nicht unüblich – vom „gesicherten Fußgängerüberweg“. Im ersten Moment dachte ich noch nichts Schlimmes, aber dann kam das dumpfe Aufprallgeräusch und ich sah, wie irgendwas durch die Luft geschleudert wurde.

Erst nach einer Sekunde oder so wurde mir klar, dass es sich dabei um einen Menschen handelte. Instinktiv rannte ich los. Auf dem Weg schaltete ich mein Handy ein (da ja leider ein wenig zum „booten“ braucht), aber als ich da war sah ich schon, dass andere bereits den Notruf gewählt hatten.

Ein roter Mazda hatte einen Radfahrer erwischt. Die nach innen gerissene Frontscheibe zeugte von der vollen Wucht des Aufpralls. Das Unfallopfer lag weiter weg auf der Straße. Glücklicherweise kümmerten sich bereits zwei Männer um den Verletzten1.

Als ich mein Laien-Wissen durchdachte, schaute ich auf dem Bauch des Verletzten und vergewisserte mich, dass er atmete. Der Helfer an dem Verletzten sprach gerade mit der Leitstelle – er war selbst Rettungssanitäter. Genauso wie ein weiterer Mann, der später dazustieß.

Ich öffnete noch nach der Bitte um „irgendwas zum verbinden“ den da rumliegenden Verbandskasten, aber die beiden Rettungssanitäter waren sich dann doch einig, dass man da jetzt besser nichts machen sollte. Die Arterie des beinahe amputierten Arms drückte er schon ab. Und bewegen wollten sie den Verletzten aber lieber erstmal nicht.

Gut, hier konnte ich anscheinend nichts mehr machen. An der Kreuzung winkte ein anderer Mann die eintreffenden Rettungsfahrzeuge herbei. Einige Frauen beruhigten den völlig verstörten Autofahrer, und ich konnte nichts mehr tun als im Weg sein. Also ging ich beiseite.

Ich überlegte noch eine Weile, ob ich mich bei den Polizisten als Zeuge melden sollte/müsste, aber ich habe vom Unfall ja selbst so gut wie nichts gesehen2 und die anderen, unmittelbaren Zeugen sprachen schon mit der Polizei. Außerdem hatten die genug mit dem Unfall zu tun und nervige Passanten hatten sie sicherlich reichlich.

Ich setzte mich an die Friedhofsmauer und es war mir wirklich egal, ob es so aussah, als ob ich da nur gaffen würde. Meine Beine zitterten etwas und ich realisierte, dass mein Kreislauf nicht ganz einwandfrei lief. Ich musste mich jetzt erst einmal fangen, einfach durchatmen.

Dann kam irgendwann eine junge Dame auf einem Fahrrad vorbei, hielt an und fragte mich, ob ich ein wenig Wasser trinken wollte. Es könne ja manchmal ganz schön hart sein, sowas zu sehen. Da hat sie recht.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie das hier liest, möchte ich mich an dieser Stelle für die freundliche Hilfe ganz herzlich bedanken! Ich hatte ihr das zwar auch gesagt, als ich ihr Angebot dankend abgelehnt hatte und sie weitergefahren war, aber ob sie das jetzt noch gehört hat, weiß ich nicht.

Es ist gut, zu wissen, dass es Leute gibt, die sich auch um sowas Gedanken machen. Sie hat vermutlich von dem Unfall selbst nichts gesehen, kam zufällig vorbei und sah mich an der Mauer kauern. Und wollte helfen. Danke!

Und natürlich auch gut zu wissen, dass es in Deutschland eben doch auch immer wieder Leute mit dem entsprechenden Wissen gibt, und die helfen.

Ich wünsche den Unfallbeteiligten, dass die Sache den Umständen entsprechend so gut wie noch eben möglich ausgeht.

  1. 1 Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann gehandelt hat, so dass ich hier bei der einfacheren, männlichen Form bleibe.
  2. 2 Man spricht da wohl vom sogenannten „Knallzeugen“, der – wenn genügend unmittelbare Zeugen vorhanden sind – der Polizei sowieso keine neuen Erkenntnisse liefern kann. Sicherheitshalber habe ich mein Verhalten danach gleich mit einem Polizisten meines Vertrauens telefonisch abgeklärt.

4 Reaktionen zu “Böser Unfall auf der Otto-Brenner-Straße”

  1. #1
    Marnem GERMANY Windows XP Mozilla Firefox 2.0.0.4 schreibt:

    Phuu, herzliches Beileid dem Radfahrer und hoffentlich wird er wieder gesund.

    Ich war als Zivi 11 Monate als Rettungsdiensthelfer auf einem Rettungswagen eingesetzt. Zu meinem Glück hatte ich in dieser Zeit nur zwei “blutige” Einsätze, wobei ich mich bei einem “nur” um den Herrn mit den Rippenbrüchen kümmern musste und bei dem anderen das Opfer schon Tod war, als wir eintrafen (das Opfer wurde von einem Baum erschlagen und war bereits einige Stunden Tod).

    Ich habe bis heute Angst davor, an einen “frischen” Unfallort zu kommen und dort agieren zu müssen, darum habe ich auf Schritt und Tritt immer mein aufgeladenes und betriebsbereites Handy dabei, um zumindest sofort Hilfe organisieren zu können.

  2. #2
    Christian GERMANY Windows XP Mozilla Firefox 2.0.0.4 schreibt:

    Ausgesucht habe ich mir das ja auch nicht. Und geholfen habe ich letztendlich ja leider auch nicht besonders viel, weil bereits besser( ausgebildet)e Helfer vor Ort waren.
    Aber das weiß man ja vorher nicht. Und bevor da niemand geholfen hätte, bin ich lieber gelaufen. Auch wenn es für andere vielleicht blöd ausgesehen haben mag, dass ich mich beeile, da hin zu kommen und dann doch nicht viel zu tun. Aber das war mir in dem Augenblick egal.

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