Ein trauriger Spaziergang

Ein frischer, aber für die Jahreszeit eigentlich viel zu warmer Vormittag. Mit dem Auto geht’s zum Tierheim. Nicht viel los heute. Dort wartet ein Hund schon freudig darauf, uns wiederzusehen. Ein armer Hund. Er hat in seinem kurzen Leben viel zu viel über sich ergehen lassen müssen. In seinen Augen sieht man: Zu unrecht.

Der Hund wird uns mit Leine übergeben und dann geht’s endlich los zum Spaziergang in der Umgebung. Der Hund freut sich sichtlich, raus zu kommen. Von der Leine lassen dürfen wir ihn – so sehr sich der Hund das auch wünschen würde – leider nicht. Aber auch so ist es schön zu sehen, dass sich der Hund über unsere Besuche freut.

Aber es geht ja nicht nur darum, sich ein wenig an der frischen Luft zu bewegen, auch wenn man dem Hund ansieht, dass sein früherer Besitzer ihm viel zu wenig Aufmerksamkeit und Bewegung geben konnte. Man sieht langsam schon, dass der dünne Körper langsam wieder beginnt, Muskeln aufzubauen.

Nein, ein wenig Erziehung muss auch sein. Vorbei an einem Grundstück mit aggressiv kläffenden Hunden. Natürlich steigt unser Leih-Hund zunächst voll darauf ein, aber nach ein paar eindringlichen Worten hält er sich zurück und läuft “bei Fuß“. Schöner Erfolg. Auch als eine Gruppe lautstarker jugendlicher Radfahrer an uns vorbeibrettern, scheint der Hund diese fast nicht einmal zu bemerken.

Schon ist eine halbe Stunde um und wir müssen zurück. Voller Stolz berichten wir der Pflegerin von den Erfolgen. Zum Schluss nur noch einmal an dem Zwinger mit dem großen, lautstark bellenden Hund vorbei. Der Hund bleibt “bei Fuß“; aber nur kurz. Dann springt er los und wird nur noch von der Leine zurückgehalten, an das Gitter zu springen. Schade.

Ich habe einen Kloß im Hals, merke, wie mir die Tränen in die Augen schießen. Warum? Der Hund weiß gar nicht, worum es geht, und warum wir denn was dagegen haben, dass er seine Meinung auch sagt, wenn andere Hunde ihn quasi angreifen. Aber ich weiß es. Leider.

Wenn er den Wesenstest einen Monat später nicht besteht, wird er eingeschläfert. Er kann das nicht wissen und versteht daher nicht, warum wir manchmal so streng sind.

Mit Sicherheit kann man natürlich nichts sagen, aber wie ein Kampfhund wirkt der Hund ganz sicherlich nicht. Beim “Beutespiel” mit einem alten Fußball kommt die Situation, wo der Hund den Fußball im Maul hat und von dannen trottet. Einer von uns läuft plötzlich hinter ihm her, als ob wir ihm seine Beute abspenstig machen wollten. Was macht der “Kampfhund”? Er lässt die Beute fallen. Ein gutes Zeichen.

Der Hund war in falschen Händen und es kam zu einer Situation, die (für den Hund) auch negativ gedeutet werden konnte. Und schon sitzt er quasi in der Todeszelle. Er hat noch eine Chance auf Begnadigung, nur weiß er nichts davon und kann sich auch nicht selbst darauf vorbereiten.

Jeder, der den Hund bisher unvoreingenommen gesehen hat, war von ihm begeistert. Er hat (wenn man das so sagen darf) freundliche Augen und man kann sich sogar ohne Probleme zusammen mit ihm auf den Boden legen.

Ich hoffe nur das allerbeste für ihn. Hoffentlich packt er den Test. Dann wartet bereits ein neuer, ein netter Besitzer auf ihn. Der Hund hätte es verdient. Dieser Hund sollte nicht sterben müssen.

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