Etymologische Archäologie

Da sage nochmal einer, Fernsehen trage nicht zur Bildung bei. Bei mir zumindest hat es mal wieder einen Anreiz zur Weiterbildung geliefert. Genauer gesagt, zur Ausgrabung alter Begriffe.

Wie alles begann

Kürzlich sah ich im Fernsehen eine amerikanische Kriminal-Ermittler-Serie, in der ein mir bislang unbekanntes Wort Verwendung fand: Rabulistik. Kurzerhand sprang ich (sehr zur Unbill1 meiner Freundin) auf, um in meinem kleinen Fremdwörterbuch, dass mir in der Grundschule geschenkt wurde, nachzuschlagen:

[…] Rabul?istik die; -, -en: Haarspalterei. rabul?istisch: haarspalterisch

Der kleine Duden Fremdwörterbuch aus dem Jahre 1991

Aha, wieder was gelernt. Wort abspeichern und hoffen, dass es den Weg vom passiven in den aktiven Wortschatz findet. Noch kurz die mentale Notiz, diesen Fund später an andere linguistisch interessierte Bekannte weiterzugeben, und dann schnell zurück zur beliebten Berieselungsmaschine.

An dieser Stelle könnte der Blog-Eintrag jetzt theoretisch schon zu ende sein. Wäre da nicht die mir innewohnende Neugierde, die mich ein paar Tage später noch kurz im Internet nach diesem Begriff suchen ließe. Und siehe da: Die gefundene Erklärung war wohl doch nicht wirklich erschöpfend.

Andere Quellen

Der erste Blick fiel natürlich in die Wikipedia, die diesem Wort wenn nicht eine vollkommen andere Bedeutung bescheinigte, so doch zumindest interessante Aspekte auf den Kontext und die Verwendung des Wortes im heutigen Sprachgebrauch zu liefern wusste. Dort beschreibt man die Rabulistik als:

[…] die (zweifelhafte) „Kunst“, wortwörtlich „recht zu haben“ bei einer Sache, die inhaltlich unehrlich ist und nicht vertreten werden kann; also Wortverdreherei.

Wikipedia: Rabulistik

Weiter wird dieses Wort vor allem im juristischen Sprachgebrauch erklärt, sowie der erweiterte Wortsinn, dass ein Rabulist in einer Diskussion unabhängig von der Richtigkeit der eigenen Position Recht […] behalten will.

So wie ich das sehe, bekommt dieses Wort dort einen sehr viel negativeren Beigeschmack, als in dem ersten Nachschlagewerk2.

Das Wortschatzlexikon der Uni Leipzig weist dieses Wort als weibliches, pseudowissenschaftliches Substantiv aus und unterstreicht mit den meisten Verschlagwortungen in der Bedeutungsgruppe “Unwahrheit, Lüge, Fiktion” den oben erwähnten, negativen Beiklang.

Verwendungswahrscheinlichkeit: fragwürdig

Schließlich habe ich den Drang, dieses Wort in meinem aktiven Wortschatz aufblitzen zu lassen, doch wieder ein wenig heruntergefahren. Wer weiß, wem ich mit einer freundlich gemeinten Spitze sehr viel tiefergreifende Vorwürfe gemacht hätte, als beabsichtigt. Auch wenn die Frage sicherlich berechtig ist, wer das wohl überhaupt gemerkt hätte.

  1. 1 Unbill ist übrigens ein weibliches Singulariatantum, also (in diesem Fall) ein Substantiv, dass es nur in der Einzahl gibt. Ich wollte intuitiv 'sehr zum Unbill' schreiben.
  2. 2 Zur Ehrrettung des kleinen Duden sollte man erwähnen, dass es sich eben nur um die kleine, also vermutlich stark reduzierte Version des Fremdwörterbuches handelt. Der 'große Bruder' wird einzelne Begriffe sicherlich noch ausführlicher erklären.

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