Free Hugs 2008 in Hameln
Nun war es also soweit: Letzten Samstag waren wir – nach einem ausgiebigen Frühstück – in Hameln1, um ein wenig Wärme und menschliche Nähe unter das Volk zu bringen:
Am Vortage hatte ich noch schnell zwei Schilder gebastelt, auf denen im DIN A3-Format der Name der „angebotenen Ware“, also „Free Hugs“ auf der Vorder-, und „Gratis Umarmungen“2 auf der Rückseite geschrieben stand. Zum Schluss hatte ich diese dann noch in mühevoller Kleinarbeit in der günstigen Variante (mit breitem transparenten Klebeband!) „laminiert“, um auch für schlechtes Wetter gerüstet zu sein3.
Auf nach Hameln
Der Weg nach Hameln sollte kein Problem darstellen. Dachten wir zumindest! Das kleine Dörfchen Gestorf (etwa 9 km östlich von Springe) hatte sich wohl entschlossen, die Hauptstraße aufzureißen und damit sämtlichen Verkehr durch die Ortschaft zu unterbinden. Unser aufmüpfiger Versuch, doch noch ohne übermäßige Umwege (wir hatten uns schließlich verabredet) zum Ziel zu kommen und einfach über die Dorf-Randstraßen an der Sperrung vorbei zu kommen führte uns an unzähligen Sackgassen und vielfach wiederholten Verkehrszeichen (vor allem Zeichen 357, sowie Zeichen 250 mit Zusatzzeichen 1020-30) vorbei, so dass wir die Hoffnung fast aufgegeben hatten. Glücklicherweise führte wenigstens die äußerste Straße schließlich zum Erfolg.
In Hameln fanden wir erstaunlicherweise auch gleich einen (sogar kostenfreien!) Parkplatz direkt hinter einem großen Bekleidungsgeschäft (nahe des geplanten Treffpunktes), so dass wir sogar noch etwa Zeit zum Schlendern hatten.
Zum vereinbarten Termin trafen wir dann das NDR-Team, das sich durch Tontechnik und Kamera zu erkennen gab. Unsere Schilder hingegen identifizierten uns ausreichend. Nach einer kurzen Begrüßung wollte das Team noch ein wenig „Atmo“ aufnehmen, so dass noch ein wenig Zeit für ein Heißgetränk blieb. Zuletzt wurde mir noch eröffnet, dass ich verkabelt werden sollte. Christian, der Spion. Was tut man nicht alles für „die Sache“.
Dann war es endlich soweit
Das Team war bereit, die Fußgängerzone gut gefüllt, das Wetter ausreichend schön und die Protagonisten wohl motiviert. Wir brachten uns also vorm Hochzeitshaus in Position und präsentierten unsere Schilder.
Aus der Erfahrung heraus erwartete ich nun eine längere Durststrecke, in der wir nur ungläubige oder gar mitleidige Blicke ernten würden. Aber schon zu Anfang kam eine Dame auf uns zu und wusste zu erzählen, dass sie das gerade erst im Fernsehen in Österreich gesehen hätte und die Aktion sehr gut fände. Nach einem kurzen Gespräch umarmte sie meine Partnerin und ging wieder ihres Weges.
Allgemein stand ich die erste Zeit ziemlich dämlich da, weil meine Partnerin (die zum ersten Mal Free Hugs anbot!) die ganze Zeit umarmen durfte und ich nur daneben stand. Aber natürlich freute es mich auch für sie, dass sie gleich zu Beginn solch einen Motivationsschub bekam. Und mal ehrlich: Ich würde bei einem solchen Angebot ja auch die hübschen, jungen Damen den Herren der Schöpfung vorziehen. Wenn man schon die Wahl hat …
Abgesehen von einem jungen Passanten, der sich lediglich zu der unflätigen Frage „Ey, warum machst’n sowas? Biste schwul, ode’ was?!“ hinreißen ließ, waren die Reaktionen eher angenehm. Neben Leuten, die sich so lange neugierig näherten, bis sie die Schilder schließlich lesen konnten und dann urplötzlich scharf abbogen, sowie der obligatorischen Jungmädels-Clique, die ständig kichernd aber vergeblich versuchte, eine der ihren als „Freiwillige“ vorzuschicken, gab es überwiegend positives Feedback.
Manche Passantin sorgte sich gar: „Umarmt euch keiner? Wir machen das ja täglich!“, während andere (in diesem Fall sogar völlig zurecht) fragten, wo denn die Kamera stünde.
Absurd wurde es erst, als plötzlich eine Gruppe verschiedenrassiger Hunde unterschiedlichen Alters mitsamt Besitzer aufliefen, direkt neben uns eine Reihe bildeten und den emotionalen Nutztieren befohlen wurde, sich hinzusetzen oder abzulegen. Ein sehr seltsames Bild. Aber die Hundeschule blieb auch nicht ewig, so dass wir auch bald wieder zu sehen waren.
Fazit
Man kann also sagen, dass es sich wieder einmal gelohnt hat, Umarmungen zu verschenken und positive Energie zu tanken. Ich möchte an dieser Stelle (quasi als Schlusswort) gern noch ein Zitat aufführen, dass eine Amerikanerin(?!), die uns umarmte, angeblich auf einem ihrer Kühlschrankmagneten stehen hat:
A hug is a beautiful present.
And it’s for free!
My One Two Minutes of Fame
Für all jene, die bis hier durchgehalten haben, soll natürlich auch nicht verschwiegen werden, dass der Beitrag voraussichtlich am Valentinstag, also am 14.2.2007 im Rahmen der Sendung „Niedersachsen 19.30“ im NDR Fernsehen ausgestrahlt wird.
Wer was dazu sagen möchte, sei in den Kommentaren unter diesem Beitrag natürlich herzlich dazu eingeladen.
- 1 Ja, die Reporterin hatte sich dann doch für Hameln entschieden.
- 2 Wir sind ja, wie später auch eine Passantin energisch insistierte, in Deutschland, so dass die deutschsprachige Bezeichnung – auch insbesondere für die Fernsehaufzeichnung – natürlich nicht fehlen durfte.
- 3 Das letzte Mal setzte der unerwartet einsetztende Regen den ungeschützten Schildern aus dem Tintenstrahldrucker leider ein wenig zu. Aber man ist ja lernfähig ;)
Dienstag, 19. Februar 2008 um 16:33
hatte schon von der aktion irgendwo gehör, in der usa oder so. Ich würde es gern machen aber als frau hat man immer so ängste. aber vielelicht wenn wir zu dritt oder so es machen….
Mittwoch, 20. Februar 2008 um 10:06
Das kann ich nachvollziehen. Aber wenn man in einer Gruppe ist (ich habe auch schon zwei Mädels bei YouTube gesehen, die das zusammen gemacht haben.
Vielleicht sollte ich eine Seite machen, wo sich Interessierte eintragen können und die ich benachrichtigen kann, wenn sich genug Leute für eine neue Aktion zusammenfinden …
Mittwoch, 20. Februar 2008 um 15:52
So ganz verstehe ich weder die Aktion noch die Kommentare. Eine Freundlichkeit im Alltag, ein nettes Wort, ein erst gemeinter guter Wunsch, das finde ich fein. Aber so eine Aktion um mal Menschlichkeit zu “zeigen” kann ich da noch nicht so richtig “verorten”.
Ich finde es völlig in Ordnung, free hugs anzubieten. — Wenn es denn nützt. Da aber sehe ich noch das Fragezeichen.
Dass manche Paare und Passanten damit nicht umzugehen wissen, spricht nicht gegen die Aktion, sondern gegen die Unkundigen. Andererseits ist es fraglich, mir jedenfalls, der ich zwar schon mal (ich meine beim Kirchentag) ein free hugs Angebot angenommen habe, um den armen Menschen nicht so lange da einsam stehen zu lassen, ob das NDR-Team die Aktion nicht ad absurdum führt. Ich weiß es nicht, aber wenn man mal Freundlichkeit fürs Fernsehen “spielt”, dann ist mir die nette Alltagsbegegnung lieber.
Schönen Gruß
Frank
Mittwoch, 20. Februar 2008 um 17:12
Normalerweise macht man das Ganze ja auch nicht mit/für ein professionelles Kamerateam. In diesem Fall war es halt da, um auf die Aktion/Bewegung/Campaign hinweisen zu können. Normalerweise gibt es höchstens den Versuch, für das eigene Album (oder auch YouTube und Co.) Erinnerungen zu sammeln. Und üblicherweise ist man da dann schon allein, dass das Ganze wieder einen Sinn ergibt.
Ich schrieb ja auch, dass ich mit mit dem Kamerateam auch unsicher war (aber versteckt zu filmen hätte ich noch unpassender gefunden!), aber es eben für verschmerzbar gehalten. Das Mal davor war aber auch “ganz normal” ohne Kamerateam.