Freifunk
Seit heute bin ich ein aktiver Fonero.
Fonero? Was ist das? Mathematisch simpel ausgedrückt ist ein Fonero ein Mitglied der FON Community. Stimmt zwar auffallend, aber das bringt uns (wie man das von vielen mathematischen Definitionen kennt) nicht wirklich weiter. Was ist also FON und die FON Community? Genau kann man dies auf den Seiten von FON nachlesen.
Kurz gesagt sind Foneros Leute, die Ihren Breitband-Internetzugang anderen Mitgliedern der Community per WLAN zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung bekommen Sie für die Mit-Nutzung ihres Anschlusses Geld oder dürfen kostenlos bei allen anderen Foneros mit-surfen.
Was man braucht
Um mitzumachen benötigt man lediglich einen Internet-Anschluss, einen Router (der muss selbst nicht WLAN-fähig sein), den Willen, seinen Internetanschluss zu teilen, einen FON-Account und den FON-Router.
Registrieren kann man sich kostenlos. Sobald man angemeldet ist, kann man dort auch den “FON Community Router” kaufen. Derzeit kostet der 29,95 EUR inklusive Versandkosten. Vor einiger Zeit gab es eine (mittlerweile beendete) Aktion, während der die Router verschenkt wurden, so dass dem angehenden Fonero keinerlei Kosten entstanden. Lediglich das “Versprechen” blieb, seinen Internetzugang auch wirklich zu teilen.
Also hatte ich mich dort angemeldet, meinen (kostenlosen) Router bestellt und sechs Wochen gewartet1. Jetzt traf mein FON-Paket nun endlich bei mir ein.
Was man bekommt
Das FON-Paket besteht aus “La Fonera” (Modell FON2100), also dem eigentlichen Router2, einem Netzteil, einem Ethernet-Kabel, einem Quick Installation Guide und einer Dokumentations-CD. Die CD enthält lediglich eine selbststartende Flash-Anwendung, die den Quick Installation Guide in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stellt, sowie bei einem Klick auf das Symbol für die (ausführlichere) Bedienungsanleitung den Standardbrowser startet, um das zugehörige PDF-Dokument direkt vom FON-Server zu laden und anzuzeigen. Die auf dem CD-Aufdruck angekündigten “Applications” sucht man vergeblich3.
Ferner liegen dem Paket noch zwei FON-Aufkleber bei, mit denen man auf sein freies WLAN hinweisen soll. Nun denn, wer’s mag.
Die Installation
Wenn das Paket da ist, dann ist die Installation ganz einfach. Den Router zunächst mit dem mitgelieferten (oder jedem anderen) Ethernet-Kabel an den Router (wie einen gewöhnlichen, weiteren Rechner) anschließen und dann mit dem Netzteil mit Strom versorgen. Schon initialisiert sich der Router (der anscheinend seine Konfigurationsdaten auf dem FON-Server im Internet ablegt4). Sobald alle drei Lichter leuchten, ist der Router fertig.
Nun meldet man sich mit seinem WLAN-Gerät (etwa einem WLAN-fähigen Laptop) im öffentlichen, unverschlüsselten Funknetz, das zunächst den Namen FON_AP trägt, an und startet seinen bevorzugten Browser und der erste Aufruf einer beliebigen Seite führt auf die FON-Seite. Dort meldet man sich mit seinem FON-Account an und kann dort den Router anmelden. Dazu gibt man die Adresse ein und kann auf einer Karte den ungefähren Standpunkt des Routers angeben. Dieser ist dann für alle Foneros auf der FON Map zu finden, zusammen mit der Information, ob der Router derzeit online ist.
Weiterhin kann man dort noch die SSID für das öffentliche (muss mit FON_ anfangen) und das private Funknetz ändern, wie auch den WPA-Key für das Private Netz und das Passwort für die Routerkonfiguration. Positiv fällt dabei auf, dass man die sicherheitsrelevanten Einstellungen nicht ändern muss, da vom Werk aus schon ein individueller WPA-Key gesetzt ist (die Seriennummer des Routers, die auf der Unterseite des Gerätes abzulesen ist). Auch scheint die Trennung der beiden Netze ganz vernünftig zu funktionieren, da die gesicherte Verbindung direkt an den (nicht FON-) Router weitergeleitet wird, die Verbindungen aus dem offenen Netz (das in einem anderen Subnetz liegt) hingegen immer noch einen extra Schritt über den FON-Router zurücklegen müssen.
Rechtliche Fragen
Bliebe als letzte Frage noch, wie das mit der Haftung aussieht. Sollte von der IP-Adresse des Foneros eine Straftat begangen werden, so steht zunächst der Anschlussinhaber in Verdacht. Da der öffentliche Zugang über FON aber nur für legitimierte Benutzer möglich ist und die Nutzungen inklusive Nutzernamen gespeichert werden, kann so zumindest theoretisch der wirkliche Störer ermittelt werden.
Über diese Problematik existiert auch ein Abschnitt im Wikipedia-Artikel über FON. Ferner fand sich in der c’t 23/2006 im Artikel “Freie Netze auf eigene Gefahr – Haftungsfragen bei unverschlüsseltem WLAN” folgender beruhigender Absatz:
Die Fon-Nutzer sind bezüglich Haftung inzwischen relativ gut abgesichert: Sie geben zwar ihren eigenen Internet-Zugang zum Surfen frei, aber hier erfolgt der Zugriff nicht anonym. Wer über die Basisstation (Access Point, WLAN-Router) eines Fon-Kunden surfen will, muss sich registrieren. Ein Fonero kann mittlerweile auch in seinem Benutzermenu einsehen, welcher Fon-Nutzer wann über seinen Access Point gesurft hat. Externe Nutzer, die selbst keinen Fon-Router betreiben, müssen per Kreditkarte bezahlen, sind also über ihr Konto mehr oder weniger sicher identifizierbar.
(Quelle: c’t 23/2006, gefunden im wireless-forum.ch)
- 1 Die Nachfrage nach den kostenlosen Routern überstieg alle Erwartungen, so dass es zu Lieferengpässen und Lieferverzögerungen kam.
- 2 Der WLAN-Router sendet ein öffentliches Funksignal für die Community, sowie eine WPA-PSK(TKIP-AES)geschütztes Funksignal für die private WLAN-Nutzung zu Hause (auch für Freunde und Bekannte), jeweils nach dem IEEE 802.11b/g-Standard aus.
- 3 Es sei denn, es ist damit die Flash-Anwendung gemeint, die beim Einlegen der CD startet. Aber meines Erachtens hätte man die dann nicht extra ankündigen müssen. Letztendlich benötigt man auch keine weiteren Anwendungen, so dass man darüber auch einfach hinwegsehen kann.
- 4 Was zunächst erstmal seltsam anmutet, scheint durchaus sinnvoll durchdacht zu sein. Zum einen ist der Router (für die Community) sowieso nutzlos, wenn kein Zugang zum Internet besteht, zum anderen kann man den Router auf diese Weise auch von überall im FON-Backend konfigurieren.