Freundlicher Hinweis an der Haltestelle

Man muss auch mal sagen, wenn man sich über Leute freut. Es muss ja nicht immer der Blogeintrag über die unfreundliche Verkäuferin oder der pöbelnden Passanten sein. Wenn sich nette Begebenheiten ereignen, warum sollte man nicht auch solche erwähnen?

So ergab es sich etwa jüngst, dass ich mal wieder viel zu lange bei der Arbeit und daher spät dran gewesen war, als ich mit einigen anderen Personen an einer Bushaltestelle auf den nächsten Bus wartete. Als dieser zur angekündigten Zeit noch nicht eintraf, machte ich mir verständlicherweise keine allzu großen Gedanken darüber. Auch wenn es sich mein Zeitplan in meinen Nacken bereits gemütlich machte.

freundliche DameKurze Zeit später kamen die nebenstehend abgebildeten jungen Damen aus der Richtung, aus der der Bus erwartet wurde und wären im normalen Straßenleben auch nicht weiter aufgefallen, wenn nicht die Dame mit dem blauen Oberteil und der sehr farbigen Umhängetasche plötzlich mit kräftiger Stimme mitzuteilen wusste, es hätte sich weiter vorne im geplanten Busverlauf ein Unfall ereignet und daher wäre in nächster Zeit mit keinem Bus mehr zu rechnen. Die beiden Damen kämen gerade von dort und wären jetzt dabei, die nächste Bahnstation fußläufig1 zu erreichen.

Kurz bedankt folgten nun einige der Wartenden (inklusive mir), und ich konnte mit ansehen, dass sich dieses Geschehen auch an den noch folgenden zwei Haltestellen wiederholte. Da fragte ich mich dann, ob ich genauso gehandelt hätte und kam zu dem Schluss: Wohl eher nicht. Warum?

Das liegt bei mir weniger daran, dass mir nicht genug Tendenzen zum Philanthropen innewohnen, als dass ich vermutlich (noch immer) zu viel Wert auf die Meinung anderer, ja manchmal sogar wildfremder Menschen gebe. Wie stünde ich da, wenn ich die oben getätigte Meldung der jungen Dame verkündet hätte, der Unfallort in der Zwischenzeit aber entgegen meiner Vermutung bereits geräumt worden wäre und der Bus in eben diesem Moment (oder noch schlimmer: wenn die Menschen aufgrund meiner Meldung gerade genau zwischen zwei Haltestellen wären) auftauchte. Also halte ich lieber die Klappe.

Auf der anderen Seite wüsste ich aber, dass ich den Leuten damit diese essentielle Information vorenthalten hätte, die ihnen hätte helfen können, ihr Schicksal2 selbst in die Hand zu nehmen. Auf einen detailierten längeren Report mit anschließender Pro/Kontra-Diskussion hätte aber vermutlich auch niemand Lust.

So, nun bin ich aber weit genug vom Thema abgedriftet, so dass ich noch einmal kurz auf den ursprünglichen Zweck dieses Eintrages zurück kommen möchte: Vielen Dank für den engagierten Hinweis, liebe Unbekannte! Du hast mir dadurch unnötiges Warten (was schließlich doch in dem erwähnten Fußmarsch geendet hätte; nur etwas später) und ein Zuspätkommen bei meiner Probe erspart.

  1. 1 Die Bahnstation ist nicht außergewöhnlich weit weg. Natürlich könnte sich der geneigte Leser nun fragen, warum ich mich denn überhaupt noch auf das Glücksspiel 'Bus' einlasse, aber es ist halt doch schon ein unterschied, ob man mit dem Bus zwei Minuten fährt, oder ob man den Weg zu Fuß (evtl. gar bei Regen) in zwölf Minuten zurücklegt.
  2. 2 Zugegebener Maßen ist das Wort 'Schicksal' in Zusammenhang mit dem Warten auf den Bus vielleicht etwas hoch gegriffen, aber ich denke mal, dass jeder weiß was gemeint ist.

Einen Kommentar abgeben


This blog uses DigoWatchWP an anti-fraud plugin for Wordpress.