Internet Blog Serial Number
Seit heute um 10:21 Uhr gehört zu “who ever this concerns …” die IBSN 400-0714-01-7, die auch auf dem nebenstehend abgebildeten Barcode zu sehen ist.
Was ist das?
Die IBSN ist eine Nummer zur eindeutigen Identifikation von Weblogs, analog zu der ISSN für regelmäßig erscheinende Publikationen oder der (vermutlich zumindest namentlich geläufigeren) ISBN für Bücher und anderen selbstständige, nicht fortlaufende Veröffentlichungen.
Historisch betrachtet ist die ISSN die geistige Mutter der IBSN. Bereits im Oktober 2003 beantragte Richard Rutter eine ISSN für sein Weblog, was aber von den nationalen Behörden abgelehnt wurde.
Auf der Seite der IBSN kann man dann nachlesen, dass der englische Philologie-Professor José Ángel García Landa Anfang 2006 in Spanien ebenfalls eine ISSN für sein Blog beantragte, sein Antrag aber ebenfalls abgelehnt wurde. Als Fernando Tricas García dies las, ersann er zur Schließung dieser Lücke die IBSN, die unter Mithilfe noch einiger anderer Leute am 2. Februar 2006 das Licht der Welt erblickte.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits über 3000 Blogs dort registriert. Die Registrierung ist kostenlos.
Wie setzt sich die(se) IBSN zusammen?
Die IBSN besteht aus zehn Ziffern sowie drei Bindestrichen und muss für jedes Blog eindeutig sein. Mehr Regeln gibt es nicht. So ist es etwa egal, an welcher Stelle die Bindestriche in der IBSN stehen um gültig zu sein, auch wenn die Position selbiger signifikant ist. Das Format ist also nicht weiter eingeschränkt.
All dieser Freiheit zum Trotz versuchte ich dennoch, irgend eine Struktur zu (er)finden, um meine IBSN festzulegen. Da ich kein besonders kreativer Mensch bin1, orientierte ich mich dabei an anderen bestehenden Nummernsystemen.
Die (13-stellige) EAN beginnt mit einem zwei- oder dreistelligen Ländercode, der für Deutschland im Bereich von 400 bis 440 liegt. Mein Blog ist deutschsprachig und bisher belegt kein anderes Blog das angepeilte Format, so dass ich mich gleich für die 400 entschieden habe und der erste Bindestrich feststeht. Bei der EAN folgen nun Betriebs- und Artikelnummer sowie eine Prüfziffer, und diese Struktur sagte mir auch zu. Ich wählte also eine pseudozufällige2 Nummer aus, die meinen Betrieb (also mich) identifizieren sollte, eine fortlaufende Nummer3 für dieses Blog und eine Prüfziffer, die hier in Ermangelung einer höheren Notwendigkeit einfach aus der Quersumme besteht.
Wer sich selbst eine IBSN zuweisen lassen (und sich letztlich eine eben solche ausdenken) möchte, kann sich gern dieses Schemas bedienen.
Wozu das ganze?
Silke Schümann erklärt angesichts dieses Themas, dass die Vereinfachung durch Domainnamen4 durch die IBSN wieder umgekehrt würde und daher absurd sei.
Ich denke – der generelle Sinn und Nutzen dieser Nummer sei erstmal dahingestellt –, dass diese Argumentation so nicht ganz fasst. Die IP-Adressen sind beileibe nicht eindeutig und persistent einem Weblog zuzuordnen. Zum einen ändert sich die etwa meine IP-Adresse, wenn ich meinen Webhoster wechsele oder sogar wenn dieser mir aus administrativen Gründen eine andere Nummer aus seinem Pool zuweist (ganz zu schweigen von den Heim-Servern, die bei jeder Einwahl eine neue IP-Adresse zugewiesen bekommen), zum anderen teilen sich bei meinem Webhoster viele Kunden (und Domains) eine IP-Adresse, so dass die postulierte (ein)eindeutige Abbildung zwischen IP-Adresse und Weblog nicht existiert.
Die IBSN schließt diese Lücke, da sie dem Blog auch bei einem Wechsel der IP-Adresse oder des Servers erhalten bleibt.
Ob das sinnvoll ist, mag jeder selbst entscheiden.
Kurze Gedanken dazu finden sich auch bei clagnut, im CIO Weblog, bei hirnrinde.de, bei clujware.com
- 1 Oder mir das zumindest selbst einrede. Manche Mitmenschen haben dies schon des öfteren abzustreiten/widerlegen versucht. Daher könnte man dies auch lesen als: Ich bin kein künstlerisch besonders begabter Mensch.
- 2 Na ja, wie das halt so mit Zufallszahlen aus dem Computer so ist, ist diese Nummer im mathematischen Sinne auch nicht wirklich zufällig ;)
- 3 Ich habe mit dem Gedanken gespielt, wie beim Programmieren nicht gerade unüblich, die Nummerierung bei 0 beginnen zu lassen, fand das Blog im Gesamtzusammenhang aber nicht wichtig genug und begann, wie im Alltagsgebrauch üblich, doch mit der 1.
- 4 Jeder Server im Internet ist (zumindest zeitweise) eindeutig durch seine IP-Adresse identifiziert. Um den Menschen den Umgang und das Memorieren zu vereinfachen, erfand man ein System, um diese Nummern durch Namen (quasi) zu ersetzen: Das Domain-Name-System.