„Kampung Nusantara“ – Indonesische Eindrücke
Die Anreise war kürzer als befürchtet und verlief ohne längere Verzögerungen. Am Vortag hat’s in Deutschland noch wie aus Kübeln geschüttet, aber hier und heute lacht die Sonne und es ist äußerst sommerlich. Kurze Hose ist Pflicht und auch eine Kopfbedeckung wäre (wie ich später feststellen darf) nicht ohne Nutzen. Aber wer will sich bei so einem Wetter schon beklagen?
Einreise
Als erstes komme ich an einer mit „Immigration“ überschriebenen Hütte vorbei, wo man von einem indonesischen Jüngling Pässe/Visa für umgerechnet vier Euro bekommt. Gleich nebenan bietet sich die Möglichkeit, mitgebrachte Euros in die Landeswährung „Rupiah“ zu tauschen. Das hatte ich (wie die meisten anderen Besucher mit mir) vorher natürlich mal wieder vergessen, so dass dieser Service rege genutzt wurde. Man will hier ja auch schließlich auch was essen und trinken. Außerdem fühlt man sich mit quasi Unmengen an 10.000 Rp.-Scheinen im Portemonnaie plötzlich sehr vermögend. Wann blättert man in Deutschland als Normalsterblicher für eine Limonade schonmal tausende Scheine hin? *g*
Nachdem der bürokratische Kram erledigt ist, kann man sich endlich einmal umschauen: Viele Zelte, fremdartige Gegenstände, sowie vielfältige exotische Gerüche und (wenn man einfach mal was von den unbekannten Speisen probiert) Geschmäcker. Und man sieht erstaunlich viele deutsche Touristen.
Und mitten auf dem Platz, hinter einer Bühne (oder einem Laufsteg?) erblicke ich doch glatt ein Gamelan-Orchester. So wie ich es aus dem hannoverschen Landesmuseum kenne. Und doch wieder anders. Die Metallplatten wirken weniger massiv und das Holz ist in hellem rot, anstelle des im Museum vorgefundenen dunklen Braun gestrichen. Und es scheint nur eine Stimmung, nämlich “pelog” da zu sein.
Tanz und Kultur
Nach verschiedenen Tanzvorführungen in traditionellen Gewändern, sowie einer Modenschau mit sehr jungen Models kommt plötzlich Bewegung in das Gamelan-Orchester. Menschen setzen sich an die Instrumente. Da passiert wohl gleich was. Ich bin gespannt.
Was? Auch ich soll kommen und am Bonang barung spielen? Es soll das Stück „Babar Layer“ gespielt werden. Das kenne ich doch.
Und da wird mir wieder klar: Ich bin noch immer in Hannover! Auf dem Parkplatz von Sam Nok ist unter dem Namen Kampung Nusantara für einen Tag ein großes indonesisches Dorf entstanden. Eine sehr schöne Idee, wie ich finde. Durch die „Einreise-Formalitäten“ und die Tatsache, dass man landestypisch eben nicht mit Euros bezahlt, wird man kurzfristig in ein anders Land mitgenommen.
Und das Wetter hätte besser nicht sein können. Am Freitag heftige Regenschauer, und der Schützenausmarsch am Sonntag wurde ebenfalls von einem Regenguss überrascht. Aber am Samstag strahlender Sonnenschein und die Lizenz zur guten Laune. Daran kann auch der leichte Sonnenbrand nichts ändern, den ich mir zugezogen habe, als ich zum ersten Mal in meinem Leben Open-Air Gamelan gespielt habe.
Unser Ensemble Babar Layar durfte nämlich traditionelle, indonesische “Live-Musik” beisteuern, was unter freiem Himmel mal wieder ganz anders klang. Und es ist überaus aufschlussreich, wenn man zum Beispiel zum erstem Mal sieht, wie das Stück „Kebo Giro“ ein Hochzeitspaar auf dem Weg zum Altar begleitet (á la „Dammm, Dammm, Da Daaah!“).
keine Fotos?
Leider habe ich von dem Event keine Bilder machen können, so dass ich an dieser Stelle auf den Beitrag in Anna Widdels Blog verweisen möchte, die neben ein paar schönen Bildern (auf einem bin auch ich zu sehen; wer findet’s?) auch ihre eigenen Erlebnisse geschildert hat.
Dienstag, 26. August 2008 um 1:57
klasse, freut mich sehr deine erlebnisse hier zu lesen. und sehr schön gespielt habt ihr…