Nachdenklich

Als ich am Samstag in der Stadt unterwegs war, wurde ich hier und da doch etwas nachdenklich.

Zunächst sah ich am Aegidientorplatz eine Gruppe anscheinend Gehörloser, die sich unterhielten. Neben der Tatsache, dass ich doch ganz froh bin, Reden und Hören zu können, überlegte ich bald, ob es nicht unhöflich sei, (länger) dort hinzuschauen. Schließlich „hört“ man da bei fremden Gesprächen zu (auch wenn ich nichts davon verstehe, weil ich diese Sprache leider nicht beherrsche, so könnte dennoch bei den „Belauschten“ ein eben solcher Eindruck entstehen).

Die Sonne schien, so dass ich mehr Zeit als geplant im Freien in der Stadt verbrachte und dem Himmelslicht die Möglichkeit gab, geradezu frühlingshafte Freudengefühle in mir wachsen zu lassen.

Auf dem Heimweg kam ich dann am Harley-Fest am Steintor vorbei, wo man neben erstaunlich zahlreicher Security und vielen Menschen mit Leder- oder lederähnlicher Kluft, eben auch das eine oder andere Motorrad sehen konnte. Da muss ich sagen, wünsche ich mir schon irgendwie wieder ein Motorrad. Es muss ja gar keine Harley sein (die mir vermutlich eh viel zu laut wäre), aber eine hübsche kleine Maschine …? Später vielleicht.

Aber der größte Denkanschub kam dann vor McDonalds. Neben einer weiteren Runde Gehörloser sah ich dort auch eine kleine Familie (vermutlich Eltern mit zwei Kindern) stehen. Die etwa 7 Jahre alte Tochter sah ich nur von hinten, so dass ich kaum sehen konnte, dass sie einen Stab vor sich auf dem Boden stehen hatte. Erst auf den zweiten Blick sah ich, dass es sich um einen Taststock für Sehbehinderte handelte, und erst einige Sekunden später realisierte ich, dass der Stock etwas kleiner war als sie und somit vermutlich ihr gehörte. Ich dachte zunächst, dass sie den Stock nur für jemand anderes halten würde, aber tatsächlich scheint sie selbst sehbehindert gewesen zu sein. Das fand ich – ehrlich gesagt – bedrückend. Meine Sehkraft ist zwar beileibe nicht perfekt, aber dennoch bin ich froh, dass ich sie habe.

Vielleicht sollte man sich häufiger an dem freuen, was man hat, solange man es (noch) hat.

2 Reaktionen zu “Nachdenklich”

  1. #1
    Karo GERMANY Windows XP Mozilla Firefox 3.5.3 schreibt:

    Ich freue mich jeden Tag, dass ich zwei gesunde Beine habe und gesund bin! Die Gebärdensprache der Gehörlosen beeindruckt mich immer wieder, und die Gespräche sind nur sehr eingeschränkt zu belauschen;-) Das Schlimmste für mich wäre es wahrscheinlich, zu erblinden! Eine Freundin von mir trägt dieses Schicksal, und ich bewundere sie täglich dafür, wie sie ihr Leben ohne Augenlicht meistert!

  2. #2
    Martin Wolgast GERMANY Windows XP Mozilla Firefox 3.5.3 schreibt:

    Ja, jeder Tag ist ein Geschenk. Das merkt man noch mehr, wenn man Zeit hat und die Natur sehen und hören kann. Martin Wolgast, Wanderleiter

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