Pille reloaded?
Eine der (wenn nicht sogar die) am weitesten verbreiteten Verhütungsmethoden hierzulande ist sicherlich die Antibabypille. Die Frau nimmt im Tagesrhythmus eine kleine Pille zu sich und um Empfängnisverhütung muss sich keine Sorgen mehr gemacht werden. Aber was ist, wenn die Pille mal vergessen wurde einzunehmen? Oder wenn wegen Durchfall die Aufnahme des Wirkstoffes und damit die Empfängnisverhütung nicht sichergestellt ist? Meisten muss man dann auf alternativen Verhütungsmethoden1 zurückgreifen.
Da klingt doch die Werbung der Firma Organon für das Verhütungsstäbchen Implanon® extrem vielversprechend. Dieses etwa 4 cm lange und 2 mm dicke Kunststoffstäbchen wird an der Innenseite des Oberarms unter die Haut eingesetzt und gibt dort kontinuierlich das Gelbkörperhormon (Gestagen) Etonogestrel ab. Dadurch wird der Eisprung verhindert und man kann nicht schwanger werden. Das Stäbchen hält 3 Jahre und muss danach erneuert werden, es kann aber auch jederzeit entfernt werden. Man kann die Einnahme der Pille nicht vergessen und außerdem ist die insgesamt abgegebene Menge an Hormonen durch die kontinuierliche Abgabe kleiner, so dass der Körper weniger belastet wird. Als positiver Nebeneffekt soll bei den meisten Frauen in der Zeit auch die Periode gänzlich ausbleiben, so dass man auch die Anschaffungskosten für Hygieneartikel spart. Rechnerisch liegen die Gesamtkosten also bei dem Stäbchen auch noch niedriger als bei der Pille.
“Das wollen wir auch …”
Nachdem meiner Freundin und mir die genannten Vorteile vom Frauenarzt bestätigt wurden und dieser auch keine ernsthaften Einwände hatte, entschlossen wir uns also für das Stäbchen.
Zunächst wurde die Verträglichkeit mittels einer Dreimonatsspritze getestet, die den gleichen Wirkstoff wie das Stäbchen hat. Es gab keine Beschwerden und die Regelblutungen waren auch verschwunden. Das Einsetzen des Stäbchens mittels Spritze und Lokalanästhesie verlief unspektakulär und damit sollte das Thema für die nächsten drei Jahren vorerst erledigt sein.
Aber die Realität sah leider anders aus:
Nachdem anfänglich alles wunderbar war (vielleicht wirkte die Dreimonatsspritze noch nach), kamen zunächst die Menstruationen wieder. In sehr unterschiedlichen (und damit nicht mehr einzuplanenden) Abständen und stark variierender Dauer. Nach zwei Monaten Ruhe waren knapp zwei Wochen Regelblutung leider die Realität. Das belastet den Körper sehr und schlägt nicht unwesentlich auf das Wohlbefinden. Und abgesehen davon, dass der Körper nun mit einem machte, was er wollte, war der Vorteil der abgeschafften Hygieneartikel auch dahin. Dazu kam dann noch die Gewichtszunahme durch vermehrte Wassereinlagerung. Sicherlich nicht das, was “Frau” sich wünscht. Ferner gab es ungewöhnlich starke Unterleibsschmerzen, sowie starke prä-menstruelle Beschwerden wie etwa Brustschmerzen.
Über ein Jahr haben wir das ganze dann durchgestanden und gehofft, dass sich der Körper denn nun endlich an die neue Verhütungsmethode gewöhnen würde. Der Frauenarzt fand die geschilderten Symptome nicht besonders alarmierend und schob die Gewichtszunahme auch ausschließlich auf ungezügelte und unausgewogene Nahrungsaufnahme. Das motiviert!
“Das Ding muss raus!”
Anfang diesen Jahres ging es dann mal zu einem anderen Gynäkologen um eine zweite Meinung dazu einzuholen. Nach den geschilderten Symptomen schlug der fast die Hände über dem Kopf zusammen und bestätigte, dass diese Nebenwirkungen durchaus nicht ungewöhnlich für das Implantat seien. Und auf die vorsichtige Frage, ob er denn die Entfernung des Implantates empfehle, war die Sache innerhalb von fünf Minuten erledigt. Örtliche Betäubung, ein kurzer Schnitt, dann noch das Öffnen der Verkapselung und raus war das Implantat. Zum Glück hatte das Implantat sich nicht gelöst und sich irgendwo im Körper versteckt, wo man es nicht wieder auffinden2 konnte.
Kritische Stimmen zum Verhütungsstäbchen
Die mittlerweile im Internet zu finden Stimmen decken das gesamte Spektrum von gut bis schlecht ab, sind zumeist aber nur Aussagen vereinzelter Patientinnen. Vor einem Jahr war dazu noch viel weniger Handfestes zu finden als heute. Inzwischen gibt es auch Artikel in verschiedenen Fachzeitschriften, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein Artikel von GutePillen-SchlechtePillen.de3 liegt mir beispielsweise vor und motivierte mich, diese Errungenschaft auch mal etwas kritischer darzustellen.
In diesem Artikel wird unter anderem auf Untersuchungen verwiesen, aufgrund derer “[…] die Verträglichkeit der Neuerung [Implanon; Anmerkung des Autors] schon im Jahr 2000 als anscheinend “deutlich schlechter” als die Minipille beurteilt”
wurde. Ferner trifft der Autor dieses Artikels die recht deutliche Aussage “Implanon® ist also keinesfalls eine zuverlässige Verhütungsmethode”
.
Aber es kommt noch besser. In dem Artikel wird geschrieben, dass mittlerweile aufgefallen sei, dass einige der für die Zulassung notwendigen Daten gefälscht worden seien, und dass unter Ausschluss dieser Ergebnisse nicht mehr zufriedenstellend belegt sei, dass auch nach über zwei Jahren noch ein zuverlässiger Empfängnisschutz gewährleistet sei. Auch wird dort von “verschwundenen” Implantaten berichtet. Letztlich zieht der Autor des Artikels das Fazit:
“Da weder die Verträglichkeit noch die empfängnisverhütende Zuverlässigkeit von Implanon® gewährleistet ist und das Hormonstäbchen bisweilen nur mit großem Aufwand oder gar nicht wieder entfernt werden kann, raten wir beim derzeitigen Kenntnisstand von der Verwendung des Implantats ab.”
Und nach unseren Erfahrungen schließen wir uns diesem nach anfänglicher Euphorie mittlerweile leider an.
Vielleicht hilft dieses Text ja anderen bei ihrer Entscheidungsfindung für oder gegen das Stäbchen.
- 1 Eine Auflistung verschiedener Verhütungsmethoden bei pro familia
- 2 Bericht über ein nicht wieder auffindbares Verhütungsstäbchen
- 3 Der vollständige Artikel war auf den Seiten von hiv-wechselwirkungen.de nachzulesen. Leider wurde der Text entfernt, aber man kann ihn noch über den Google-Cache finden.
Freitag, 16. Juni 2006 um 16:25
Hallo und guten Tag,
ich bin eine Betroffene,bei der man das Verhütungsstäbchen noch nicht gefunden hat.Trotz div.Ärtze,die bei mir Ultraschall gemacht haben…Sogar eine MRT hat man bei mir ohne Ergebnis gemacht (allerdings hat der Radiologe nach eigener Aussage keine genügende Erfahrung auf diesem Gebiet).Beim letzten Mal wurde mir Blut abgenommen um nachzuweisen,ob das Implantat noch Hormone ausschüttet (wahrscheinlich glaubten die von Organon ich hätte gelogen und es wäre nicht mehr vorhanden)-aber es wurden noch welche nachgewiesen.Ich bin völlig ratlos und möchte dieses “Ding” nur noch aus meinem Körper verbannen.Können Sie mir weiterhelfen?Welcher Arzt hat Erfahrung?Gibt es andere Frauen,mit denen ich mich austauschen kann?Sollte ich zum Anwalt gehen?Ich habe schon viele Telefonate mit Ärtzen geführt,aber es gab für mich immer die selbe Aussage:”Es tut mir sehr leid,aber ich kann Ihnen nicht helfen”.Ja,einen Arzt soll ICH wieder anrufen,wenn mir geholfen wurde….Bitte,bitte,ich dreh noch durch!!!!Corinna Westermann
Samstag, 17. Juni 2006 um 23:02
Hallo Corinna,
zum Glück gab es bei dem Implantat meiner Freundin “nur” Probleme, verschwunden war es aber nicht. So gab es, als der neue Frauenarzt u.a. feststellte, dass das Implantat viel zu tief eingesetzt war, und das Implantat entfernt wurde, keine weitere Komplikationen. Daher: Mein herzlichstes Beileid.
Wie Dir meine Freundin schon per PM mitteilte, wird sie demnächst bei Ihrer neuen Frauenärztin mal nachfragen, ob sie jemanden Kompetenen kennt oder es gar selbst ist. Wenn das denn gewünscht sein sollte.
An sonsten von mir erstmal ganz viel Glück, dass sich das Mistding bald wiederfindet.
Mittwoch, 13. Dezember 2006 um 16:18
Hallo Ihr!
Meiner Mum sollte das 3Jahre alte Implanon entfernt werden, leider war es nicht lokalisierbar- trotz Sonographie und heutigem MRT. Das Personal im Krankenhaus war auch noch total unfreundlich. Sie ist völlig fertig, weil der Arzt nicht sagen kann wo es ist. Er vermutet im Thorax-Bereich… Dies soll demnächst geklärt werden.
Nun sorgen wir uns alle.
Über eine Nachricht von Euch würde ich mich freuen.
Freitag, 15. Dezember 2006 um 16:07
Hallo Tanja,
ja, ja, das Implanon. Das tut mir ja Leid, dass auch Deine Mum solche Schwierigkeiten damit hat. Ich habe mir das Dingen nach einem Jahr entfernen lassen. Ich hatte tierische Nebenwirkungen wie u.a. Gewichtszunahme bis 10kg innerhalb von einem Jahr. Dann bin ich zu einem anderen Gyn und der riet mir “sofort raus mit dem Ding”. Ich glaub der Stein der mir da vom Herzen fiel hatte alleine schon min. 5kg ;) Ich glaube das Implanon kann man echt vergessen, würde ich keinem mehr empfehlen. Ich glaube auch das sich die wenigsten Gyn`s damit RICHTIG auskennen, mein Stäbchen war dann auch noch viel zu tief eingesetzt, hatte der Arzt gesagt der es mir entfernte. Ich wünsche Euch das noch alles Gut wird bei Euch und schöne Weihnachten.
Yvonne