Tag-Suchergebnis ‘IPv4, Internet’

Quintillionen

Freitag, 18. Dezember 2009

Nun ist es also soweit. Deutschland hat über 5 Quintillionen Adressen in einem zusammenhängenden Adressblock für IPv6 zugewiesen bekommen – als erster europäischer Staat überhaupt.

Quintill-was?!

Aber wieviel ist das? Solche Zahlen kennen die meisten von uns aus ihrem täglichen Leben eher nicht. Erstmal also die Frage, wieviel das genau ist:

Der Deutschland zugewiesene /26-Adressblock hat 102 freie Bit und somit 2102, also ungefähr 5×1030 IP(v6)-Adressen. Als vollständig ausgeschrieben Zahl sähe das so aus:

5.070.602.400.912.917.605.986.812.821.504

Viel, oder?

Reicht das jetzt „für immer“?

Na gut, früher soll ja auch mal jemand behauptet haben, dass 640 kB für jedermann ausreichen müssten, und heute läuft manches Betriebssystem mit weniger als 1 GB Arbeitsspeicher … sagen wir mal: schleppend. Die Erfahrung lehrt also, dass man nie genug haben kann.

So ähnlich war es mit den 232, also ungefähr 4,3 Milliarden (4,3×109) Adressen, die man mit dem alten IPv4 adressieren kann. Am Anfang konnte man sich sicherlich kaum vorstellen, dass die Adressen irgendwann einmal knapp werden könnten, und nun ist es langsam soweit. Experten warnen schon länger davor, dass es nicht mehr lange reicht. Warum sollte es jetzt anders sein.

Alle Atome im Universum?

Auf vielen Webseiten (etwa bei Fefe) wird etwa darauf hingewiesen, dass die Experten davon ausgehen, dass es im Universum irgendwas zwischen 266 und 280 Atome geben soll. Das hieße also, dass man allein mit dem dem deutschen Innenministerium zugewiesenen Adressraum jedem Atom im gesamten Universum mindestens 222, also 4.194.304, das sind über 4 Millionen verschiedene IP-Adressen geben könnte. Großartiger Vergleich, oder?

Wie sieht’s mit der Erdoberfläche aus?

Das scheint nur leider nicht ganz zu stimmen. Viele andere Stellen reden eher von 1078 - 1082 Atomen im beobachtbaren Universum, also deutlich mehr. Aber wer will auch jedem Atom im Universum eine eigene IP-Adresse geben wollen?

Beschränken wir unsere Berechnungen auf die Atome der Erdoberfläche, derer es wohl um die 1,26×1034 geben soll, so kommen wir bei insgesamt 2128-81 IPv6-Adressen auf 1,33×1036 und somit immerhin 105× soviele Adressen wie Atome auf der Erdoberfläche.

Wenn man sich nicht exzessiv Bereiche künstlich versperrt2, dann dürfte es tatsächlich wohl keine vernünftigen Anwendungen geben, die all diese Adressen verbrauchen und zu einem neuerlichen Engpass führten.

„Geht’s schon los?“

Jetzt muss IPv6 nur noch flächendeckend umgesetzt werden. Spezifiziert ist es ja im RFC 2460 seit über zehn Jahren, nur die Umsetzung zieht sich schleppend dahin, weil das alte System ja noch funktioniert. Wir dürfen gespannt sein.

  1. 1 Um die IPv6-Adressen von den IPv4-Adressen unterscheiden zu können, beginnen alle IPv6-Adressen mit einem Byte, dass in IPv4 nie verwendet wurde. Daher müssen wir vom theoretischen Adressraum sofort 256 Adressen abziehen
  2. 2 Natürlich gibt es auch bei IPv6 eine ganze Reihe spezieller Adressen, die natürlich nicht mehr für die freie Verwendung zur Verfügung stehen.

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