Zu früh gefreut

Heute war/ist ja wieder einmal Bahn-Streik. Ist ja nicht so, dass man sich wirklich daran gewöhnen würde …

Also morgens gleich mal das Handy bemüht und das vollmundig als Informationsquelle für fahrende und aus(ge)fallene Züge angepriesene RIS der deutschen Bahn aufgerufen: Wie sieht’s denn mit den Zugverbindungen in Richtung Hannover aus? Lapidare Antwort des Systems: „Keine aktuellen Informationen verfügbar.“ Angeblich verkehren alle Züge an diesem Bahnhof planmäßig.

Nun gut. Interessanter Versuch, aber so leichtgläubig war ich auch nicht mehr, dass ich wirklich mit planmäßigem Regelverkehr gerechnet hätte. Also ging ich zu einer Zeit zum Bahnhof, an dem der Regelfahrplan im Abstand von 6 Minuten zwei Züge (eine S- und eine Regionalbahn) mit dem gewünschten Fahrtziel vorsah.

Bei meiner Ankunft am Bahnhof wurde die Regionalbahn vom Fahrtzielanzeiger auch bereits angekündigt. Zu meiner Verwunderung ohne jeglichen gelben Verspätungs- oder gar Ausfallhinweis. Da hatte ich wohl nochmal Glück gehabt.

Die planmäßige Abfahrtzeit verstrich, aber kein Zug in Sicht. Auch die Anzeigetafel verriet nichts neues und die Lautsprecherdurchsagen verkündeten lediglich (neben Informationen für die Gegenrichtung) den Ausfall der nachfolgend geplanten S-Bahn.

Als nach 15 Minuten noch immer nichts geschehen war, der Lautsprecher keine neuen Informationen von sich gab und der Fahrtrichtungsanzeiger wie zum Hohn noch immer die überfällige Regionalbahn anzeigte, rief ich die kostenlose Service-Hotline der Deutschen Bahn an. Nach einer länglichen Informationsansage über den aktuellen Lokführerstreik konnte ich der Servicemitarbeiterin mit ein wenig Geduld erfolgreich meinen aktuellen Bahnhof buchstabieren, um zu erfahren, dass die nächste S-Bahn (die für „in 20 Minuten“ geplant war) ohne Verspätung fahren müsste.

Ich hakte nochmal wegen der vergeblich erwarteten Regionalbahn nach, zu der mir die Dame dann verriet, dass auch diese auf dem Ersatzfahrplan aufgeführt sei (welch ein Glück) und daher normal fahren müsse. Aber auch ihr System könnte keine Verzögerungen ausmachen, so dass der Zug absolut planmäßig fahren würde. Schade, dass alle Anwesenden auf dem Bahnhof so blind/doof/unaufmerksam gewesen sein müssen, diesen Zug beim Vorbeifahren nicht zu bemerken. Also sowas.

Nun gut, auch wenn es mir nicht einleuchtet(e), warum anscheinend keine verlässlichen Aussagen seitens der Bahn zu machen sind – zumal der Streik diesmal doch angeblich rechtzeitig vorher angekündigt wurde, um einen Ersatzfahrplan1 aufzustellen –, so blieb mir nichts anderes übrig, als auf die nächste S-Bahn zu warten, die glücklicherweise mit nur wenigen Minuten Verspätung (aber das wollen wir angesichts der anderen geschilderten Ereignisse mal unter den Tisch fallen lassen) auch tatsächlich eintraf.

Letztlich war ich diesmal (mit allem drum und dran2) fast zwei Stunden unterwegs zur Arbeit. Aber man soll ja immer versuchen, den Dingen etwas positives abzugewinnen, so dass ich dies nicht als sinnlos vergeudete Zeit (in der Kälte, versteht sich3) bezeichnen solltewill. Schließlich habe ich auf diese Weise ein paar nette Leute vom Lande etwas näher kennengelernt, von denen ich einige schon häufiger auf dem Bahnhof oder im Zug gesehen, aber nie etwas mit ihnen zu tun gehabt hatte.

Ob das jetzt nötig gewesen ist, oder ob ich nicht auch (lieber?) darauf hätte verzichten können, mag mein unbedeutender Geist zu diesem Zeitpunkt in dem gegebenen kosmischen Kontext vermutlich noch nicht zu erfassen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der letzte Lokführerer-Streik für dieses Jahr gewesen ist.

Erstattung?

Die Bahn sagt ja, dass man sich bei Zugausfällen wegen des Streiks die Kosten für die Fahrkarte erstatten lassen kann. Bei „Zeitraumkarten“ angeblich sogar anteilig. Weiß da jemand mehr drüber? Wie groß wären die Chancen bei einem Halb-Jahres-Ticket?

Vermutlich bekomme ich eh nichts wieder.

  1. 1 Natürlich hängen diese vollmundig angekündigten Ersatzfahrpläne lediglich in den großen Bahnhöfen aus, so dass man „auf dem Dorf“ keine einfache Möglichkeit hat, sich darüber zu informieren.
  2. 2 Also die Wartezeit und die Bahnfahrt zusammen mit den Fußwegen und anderen Verkehrsmitteln des öffentlichen Personennahverkehrs.
  3. 3 Da die Bahnhofs-Gebäude der Gegend ja seit der Expo privat untervermietet sind, gibt es für den frierenden Gast ja auch keine Möglichkeit sich irgendwo aufzuwärmen, wenn er jederzeit mit dem Eintreffen des Zuges rechnen muss.

3 Reaktionen zu “Zu früh gefreut”

  1. #1
    Sebastian Gerhard GERMANY Windows XP Mozilla Firefox 2.0.0.8 schreibt:

    … Rückerstattungen bei der Bahn funktionieren am besten durch penetrantes, leicht aggresives Dauernerven der Bahnserviceschaltermitarbeiter bis zum Erfolg oder dem Nervenzusammenbruch des Mitarbeiters. Keine andere Alternative akzeptieren. Gerne mit mehreren Bahnkunden fraternisieren und lautstark Parolen skandieren, aber strategisch-defensiv leiser werden wenn die Bahnpolizei anrückt. Im Best-Case solltest du deinen Reisepreis und nen Getränke-Gutschein in der Hand halten, im Worst Case eine Teilrückerstattung.

    Viel Spass dabei ;)

  2. #2
    Robert GERMANY Windows XP Mozilla Firefox 2.0.0.9 schreibt:

    Ich halte mich eigentlich zurück aber langsam finde ich, dass es so lang so schlecht sein muss, bis es richtig kracht. Bis die Vorstände abgesetzt werden, bis die Wirtschatfs und die öffentliche Meinung da mal richtig zu einer Reinigung führt. Da der aktuelle Streik ja auch mehr die Wirtschaft als die Bahn selbst trifft, halte ich das auch durchaus für möglich. Langsam wird es spannend.

  3. #3
    Andi GERMANY Windows XP Internet Explorer 7.0 schreibt:

    Bei mir gabs sogar eine positive Überraschung. Hatte mich schon darauf eingestellt, dass ich für eine Strecke, die sonst eine halbe Stunde mit der Bahn gedauert hätte, anderthalb Stunden mit dem Bus unterwegs sein würde. Aber siehe da, die Bahn fuhr doch und es gab keinerlei Probleme.

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